Allergie durch Essen und Trinken

Um es gleich zu sagen: Wer bestimmte Nahrungsmittel nicht verträgt, hat höchstwahrscheinlich keine Nahrungsmittelallergie. Nahrungsmittelallergien sind glücklicherweise selten. Obwohl bis zu 30% aller Befragten in einer neueren wissenschaftlichen Untersuchung zufolge glauben an Nahrungsmittelallergien zu leiden, sind echte Allergien nur bei 1-2% der Erwachsenen die Ursache für ihre Beschwerden, bei Kindern ist dieser Anteil mit 3-4% höher.
Ein Grund für die
Fehleinschätzung der Betroffenen (und auch vieler Ärzte) ist, dass allergieähnliche Beschwerden auch durch Unverträglichkeitsreaktionen oder Mangel an Verdauungsenzymen ausgelöst werden können. Dann sind keine Allergien nachweisbar, die Beschwerden sind sich jedoch oft zum Verwechseln ähnlich.
Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein. Symptome im Magen-Darm-Trakt stehen im Vordergrund und können sich als Reaktionen im Mund und Rachen sowie durch Übelkeit und Erbrechen bis zu Bauchschmerzen und Durchfällen zeigen. Nahrungsmittelallergien können aber auch zu Hautreaktionen wie Quaddeln und Ekzemen am ganzen Körper, Beschwerden der Atemwege (Schnupfen, Niesattacken, Asthma) führen und im schlimmsten Fall sogar zu lebensbedrohlichen Schockreaktionen.
Die wichtigsten
Allergene im Säuglingsalter sind Kuhmilch und Hühnerei, gefolgt von Erdnuss, Obst und Fisch. Etwa 75% der Kleinkinder verlieren ihre Allergie in den ersten Lebensjahren. Oft ist eine Lebensmittelallergie jedoch Vorbote anderer Allergien wie Heuschnupfen und Asthma. Im Erwachsenenalter spielen Hühnerei, Kuhmilch und Fisch ebenfalls eine wichtige Rolle. Häufiger sind jedoch Allergien auf Gemüse wie Sellerie, Gewürze, Nüsse und Obst, besonders bei Pollenallergikern. Die Ursache hierfür ist, dass manche Nahrungsmittelallergene mit den Allergieauslösern von Bäumen, Gräsern, Getreiden und Latex durch biologische Verwandtschaft große Ähnlichkeiten aufweisen. Bei Erwachsenen bleibt im Gegensatz zu den Kindern die Nahrungsmittelallergie meist lebenslang bestehen.
Nicht jede
Unverträglichkeit von Lebensmitteln ist allergiebedingt. Auch durch das Fehlen von wichtigen Verdauungsenzymen kann es zu Unverträglichkeiten, z.B. von Milch oder Getreideprodukten kommen. In anderen Fällen sind Intoleranzreaktionen dafür verantwortlich. Diese treten vor allem gegen Zusatzstoffe von Nahrungsmitteln auf, z.B. Farbstoffe, Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker, und rufen ähnliche Beschwerden wie echte Nahrungsmittelallergien hervor.
Im Vordergrund der Diagnostik steht wie bei allen Allergien die Krankengeschichte. Bei üblicher Ernährung nimmt ein Mensch täglich bis zu 120 Substanzen auf – daher ist in vielen Fällen zur Aufdeckung ein detailliertes Ernährungs-Tagebuch nötig, das aufgetretene Beschwerden auflistet. Weitere Bausteine der Diagnostik sind Hauttests und Blutuntersuchungen sowie Provokationstestungen.
Oberflächliche Diagnostik und unqualifizierte Beurteilung von Testergebnissen können nach unseren Erfahrungen zu Fehldiagnosen, falschen Empfehlungen und daraus resultierender schwerer Mangelernährung bis hin zu erheblichen Beeinträchtigungen sozialer Kontakte führen, weshalb beim Verdacht auf Nahrungsmittelallergien in jedem Fall eine fachärztliche allergologische Untersuchung wichtig ist.
Allergiediagnostik mit den so genannten
alternativen Methoden (z.B. Elektroakupunktur, Bioresonanz, Haaranalysen, homöopathische Diagnoseverfahren) ist nachweislich Mumpitz! Die allein aus diesen Verfahren gewonnenen Erkenntnisse halten wissenschaftlichen  Überprüfungen nicht stand und können wegen möglicher fehlerhafter Konsequenzen in der Behandlung Ihre Gesundheit oder die Ihrer Kinder gefährden!

Foto: Konsil.de

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